DAS 3-D ONLINE-MUSEUM

Die Geschichte der Stereoskopie, so der Fachbegriff für dreidimensionale Bilder, geht weiter zurück als der gegenwärtige Kinobesucher vielleicht erahnt. Durch teure Produktionen und verbesserter Technologie erfährt das Phänomen "3-D" dieser Tage mal wieder eine Renaissance. Kenner der 3-D-Historie aber wissen, dass es dies schon öfter gab. Letzte Beispiele hierfür waren die 3-D Begeisterung Mitte der 50er Jahre und eine kurze Wiederbelebung Anfang der 80er Jahre. Diese kurzen Blüten gingen hierbei meist mit der 3-D Euphorie der Filmbranche einher, wobei sich das 3-D-Kino für den unbedarften Kinobesucher schnell als zu anstrengend erwies. Dennoch stammen aus diesen Hochzeiten die meisten Nebenprodukte zum Thema 3-D wie etwa Fotobücher, Comics und 3-D-Betrachter, welche meist viel besser als das bewegte Bild im Kino funktionierten. Im Folgenden zeige ich Sammlerstücke, welche die Geschichte der Stereoskopie ein wenig nacherzählen.

 

PRINZIP DES RÄUMLICHEN SEHENS

Neben dem Begriff der Stereoskopie setzte sich im Sprachgebrauch Anfang des letzten Jahrhunderts auch das etwas verständlichere Wort "Raumbild" durch. Es erklärt am besten was 3-D tut: einen räumlichen, sprich perspektivischen Eindruck erzeugen. Aber wie funktioniert das? 

Zunächst: Menschen sehen ihre Umwelt dreidimensional. Für diese räumliche Wahrnehmung ist allerdings ein gesundes Augenpaar Voraussetzung. Hierdurch nehmen wir überhaupt Tiefe und Entfernung wahr. Da die Zweidimensionalität nur Höhe und Breite kennt, bleibt sie flach wie ein Blatt Papier. Die dritte Dimension bringt erst die Tiefe. Wir nehmen diese Tiefe jedoch nur wahr, wenn wir beidäugig sehen und "beinahe um die Dinge herum sehen können" (daVinci)1. Ein kleines Experiment verdeutlicht diese Beobachtung: Strecken sie ihren Arm vor sich aus und zeigen Sie mit Ihrem Daumen nach oben. Nun sehen Sie abwechselnd durch das rechte Auge, dann durch das linke Auge. Der Daumen "verspringt" durch diesen Perspektiv-Wechsel. Durch das beidäugige Sehen, auch "Binokularsehen"1 genannt, nehmen wir also mit jedem Auge ein gleiches Bild wahr, nur aus leicht unterschiedlicher Blickrichtung. Die perspektivische Differenz beträgt hierbei etwa 7 cm - unser Augenabstand:

Wie hier zu sehen, erreichen zwei Bilder unser Gehirn und werden hier zum räumlichen Eindruck modelliert.

 

Soweit - vereinfacht - das Prinzip des räumlichen Sehens. Es beschäftigt den Menschen übrigens seit jeher, diesen räumlichen Sinneseindruck malerisch und grafisch festzuhalten und nachzuahmen...

Bereits auf Höhlenbildern finden sich vor 31.000 Jahren erste "räumliche" Darstellungen mit Überlagerungen und Verkürzungen bei Jagdszenen. Durch kleine und große Objekte wurde zudem Distanz angedeutet. Manch Höhlenmalerei nutzte sogar vor- und zurückstehenden Wandebenen als perspektivischen Versatz1. Auch "neuere" Wandbemalungen wie etwa bei den Ägyptern zeugen durch Überschneidungen von der Wahrnehmung räumlicher Tiefe in zweidimensionalen Bildern. In der Antike hat Euklid von Alexandria wahrscheinlich die beste Definition des Vorgangs gegeben: "Plastisch sehen heißt, vermittels der einzelnen Augen den gleichzeitigen Eindruck zweier ungleicher Bilder desselben Gegenstands aufnehmen"2. Durch die Verwendung konstruierter perspektivischer Ansichten erzielten die Maler der Renaissance dann eine Tiefenwirkung, welche durch Schatten und Licht noch verstärkt wurde. Auch die "Farb- oder Lichtperspektive" (in der Tiefe des Bildes sind Objekte zunehmend heller zu malen) findet damals und bis heute seine Anwendung.

Doch wie erzeugt man eine tatsächliche räumliche Tiefe auf einem zweidimensionalen (flachen) Bildträger? Wie hält man seine plastische Umwelt fest? Perspektive und Mal-Tricks konnten den Eindruck bisher lediglich imitieren. Die Rekonstruktion des tiefendimensionalen Eindrucks ist immer wieder von kulturellem und künstlerischem Interesse, doch erst die Erfindung der Fotografie (siehe Louis Daguerre, 1837) treibt sie maßgeblich voran...

Das älteste Foto der Welt: Eine "Daguerrotype" von 1837. Zu sehen ist das Atelier des französischen Malers und Erfinders Louis Daguerre1.

Doch auch das Foto, scheinbare Abbildung der Wirklichkeit, bleibt flach. Man kann nicht "hineinsehen". Mitte des 19. Jahrhunderts wendet der britische Physiker Charles Wheatstone deshalb eine alte Erkenntnis der Naturwissenschaft erneut an: "Der Mensch sieht zwei Bilder". Er nutzte die neue Erfindung namens Fotografie und ließ im Folgenden Doppelbild-Aufnahmen (Stereografien) herstellen.

 

STEREOGRAFIE

Stereografie ist kurzum die Technik ein "Raumbild" zu erschaffen... Hierfür werden immer zwei Fotografien benötigt - ein Bildpaar. Die Kamera wird nach der ersten Aufnahme (linkes Foto) um etwa den Augenabstand verschoben und es wird eine 2. Aufnahme (rechtes Foto) gefertigt.

Zwei gleiche Fotos und doch nicht dasselbe. Die Verschiebung der zwei Aufnahmen zeigt sich am Besten in einer Wackelbild-Animation:

 

Eine kaum sichtbare perspektivische Verschiebung zwischen den beiden Aufnahmen zeichnet alle Stereoskopien aus. Schon 1849 wurde es durch die Doppelobjektiv-Kamera möglich, beide Aufnahmen gleichzeitig aufzunehmen und somit auch bewegte Objekte festzuhalten.

 

KLASSISCHE BETRACHTER

"Der Mensch sieht zwei Bilder". Basierend auf dieser Tatsache erfand Charles Wheatstone 1838, ein Gerät, welches die Idee moderner 3-D-Betrachter inspirierte. Er brachte hierfür links und rechts außen je ein Stereo-Bild an (zunächst mit Zeichnungen ausgestattet, ersetzte er die Bilder ab 1840 durch Fotos). In der Mitte seiner Konstruktion befanden sich zwei Spiegel. Sie leiteten die Bilder an den ebenfalls mittig sitzenden Betrachter weiter. Wichtig schon bei diesem Prinzip: Dem Gehirn müssen zwei Bilder (Halbbilder) unabhängig voneinander vermittelt werden:

Der Betrachter sitzt mittig, Gesicht zum Spiegel gerichtet. Sein linkes Auge sieht nur ein linkes Bild, sein rechtes Auge nur das rechte Bild. Wheatstone nannte sein Gerät "Stereoskop". Der  griechische Begriff "stereo" bedeutet "räumlich"1

Damit Stereografien betrachtet werden können, bedarf es dem "Kreuzblick". Das ist kurzum ein Schielen. Dieses Schielen lässt beide Bilder zu Einem verschmelzen. Dies tun wir unbewusst den ganzen Tag, wenn wir unsere Umwelt sehend wahrnehmen - wir schieben zwei Bilder übereinander. Es ist das Prinzip des räumlichen Sehens. Bei Stereografien muss man sich sehr konzentrieren, um den Abstand der nebeneinander erscheinenden Halbbilder über den Kreuzblick zu vereinen. Das Schielen kann nicht lange aufrecht erhalten werden.

Erst 1849 wurde ein spezieller Betrachter konstruiert, welcher mit geschliffenen Prismengläser (Optik) einen Kreuzblick "erzwingen" konnte. Dieses zweite, wegweisende Stereoskop wurde vom Schotten David Brewster entworfen. Dieser Betrachter setzt den Standard für alle kommenden Generationen: Die gebogenen Linsen führen dem Betrachter ein vereintes Bild zu. Ob Stereofotos auf Karton oder auch Glasdias, zwei nebeneinander stehende Fotografien werden durch die geschliffene Optik vereint: Wegweisend für alle stereoskopischen Foto-Betrachter kommender Jahrzehnte....

Wir schielen uns ein Bild stimmig: Das "Brewster-Stereoskop". Hier ein Exemplar von ca. 1890, mit fokussierbarer Optik. An der Seite können Glasdias, sowie Bildkarten eingeschoben werden. Die Bildkarten können durch eine Öffnung an der Oberseite (aufklappbar mit Spiegel) beleuchtet werden:

Glasdias werden durch das offene Gehäuse von hinten beleuchtet.

 

Der amerikanische Arzt und Schriftsteller Oliver Wendell Holmes konstruierte 1861 einen Betrachter, bei dem die Augen zusätzlich gegen Licht abgeschirmt wurden1. Dieser populäre Raumbild-Betrachter, auch "Holmes-Betrachter" genannt, trat seinen Siegeszug durch die europäischen Salons und das Bildungsbürgertum an. Mit zwei Händen gehalten, konnte der Betrachtungsabstand zum Bild auf einer Holzleiste variiert werden:

Der Holmes-Betrachter: Etwa baugleich ist ab 1910 in Deutschland der "Isostereo"-Betrachter (Abb.) erschienen, ein Stereoskop-Betrachter für Stereobildkarten:  

"Keystone View Company"-Stereografien. Diese Stereokarten von etwa 1910-20 mit der typischen altersbedingten Wölbung zeigen zwei enger aneinander stehende Stereo-Halbbilder. Auf echtem Fotomaterial entwickelt, sind sie auf einem Träger aus dicker Pappe festgeklebt.

Ähnlich wie der Holmes-Betrachter präsentiert sich das "Unis France Stereoscope" als Handbetrachter mit regulierbaren Betrachtungsabstand (über ein Zahnradgewinde). Einen Vorteil allerdings bietet dieses Modell aus der Jahrhundertwende: Es ist komplett zusammenfaltbar! Es wird vornehmlich für Glasdias benutzt.

Der faszinierende plastische Eindruck der Stereografien begeisterte die Menschen zunehmend. Die Stereografie wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Kaiserpanorama. der Jahrhundertwende. Diese frühe Massenmedium erlaubte es etwa 20 Menschen gleichzeitig Stereografien zu betrachten. Durch diese Raumbilder wurde es dem Normalbürger möglich, auf Reise zu exotischen Orten zu gehen und nativen Völkern zu begegnen - lange vor dem Fernsehen ein leibhaftiges aber eben erschwingliches Erlebnis.

Blick in die Tiefe. Das Kaiserpanorama zeigt exotische Ziele, die man wahrscheinlich nie bereisen wird. Ein früher Betrachter für Stereografien in Wien.

 

MODERNE BETRACHTER

Es kamen mit der Zeit immer mehr Patente für Raumbild-Betrachter auf den Markt. Jeder wollte seine Ideal-Version eines "Stereoskops" konstruieren und lukrativ produzieren. Industrielle Metallverarbeitung und erste Kunststoffe (Bakelit, dann Plastik) lösten die hölzernen Schaukästen und Holmes-Betrachter bald ab.

Im folgenden stelle ich verschiedene Betrachter und ihre Eigenheiten vor, wobei der "View-Master" der wohl populärsten Betrachter ist und bleibt . Allen Betrachtern liegt die gleiche Idee zu Grunde. Man schaut durch eine Optik auf ein Doppelbild. Alle Betrachter "erzwingen" das "Kreuzblick-Schielen" durch geschliffene Linsen (Prinzip dicke Brillengläser)...

 

"Raumbild"-Betrachter mit abstandsregulierender Scheren-Mechanik vom "Raumbild-Verlag". Weit verbreitetes Metall-Modell, gefertigt in Deutschland (wahrscheinlich Otto Schönstein), ca. frühe 40er Jahre. Nebeneinander stehende Stereo-Aufnahmen zum Einstecken wiederholen das Brewster/Holmes-Prinzip. Zusammengeschoben sehr flach - zum Hosentaschentransport. 

 

 

"Tru-Vue"-Betrachter aus Bakelit (hier: zweites Modell, ca. 40er Jahre, USA) mit Rolldias für Dia-Filmstreifen auf dem 14 Stereopaare (mit Untertitel) untergebracht sind. Die Motive sind hauptsächlich Länder, Städte, Nationalparks, Ausstellungen, Firmenwerbung, Märchen und Geschichten für Kinder. Das Besondere an diesem Betrachter ist die Technik: Der perforierte Dia-Filmstreifen wird an der Seite des Betrachters eingeschoben und dann mit dem Hebel weitertransportiert. Vorteil dieser Technik: Es mussten keine Bildkarten mehr ausgetauscht werden, man konnte mehrere 3-D-Bilder hintereinander betrachten. Die hier abgebildeten Rolldias stammen aus den 40er Jahren und werden in Pappschachteln aufbewahrt. Kein Farbfilm aber hervorragende 3-D-Wirkung! Tru-Vue ist Mitte der 30er Jahre zunächst marktführend und wird gerne kopiert:

 

"Tru-To-Life" Stereobetrachter, mit Dia-Schlitten (ca. 40er Jahre) mit ungewöhnlicher Technik: Die sepiafarbenen Stereo-Halbbilder (auf Dia-Film) werden manuell auf einem Schlitten an der Optik vorbeigeschoben. Pro Schlitten 6 Halbbilder=3 Stereofotos. Die Tru-Vue-Technik wird hier aufs einfachste nachgeahmt. Dann revolutioniert eine neue Technik den Markt:

 

Das View-Master-System kommt 1939 mit der neuartigen Idee, verkleinerte Farb-Dias (!) auf einer runden Scheibe anzuordnen. Weniger empfindlich als der Rollfilm und leichter austauschbar präsentierte die handliche Scheibe 7 Bilder in 3-D, also 14 Halbbild-Paare.

Stereoscheiben von View-Master: 14 Fotos, also 7 Stereo-Fotopaare in 3-D. Die verkleinerte Dia-Technik und das Scheiben-Format sicherte dem View-Master-System den patentierten Siegeszug.

 

View-Master-Betrachter. Modelle der 40er, 50er und 60er Jahre, das Modell "E" (3. v.l.) verfügt sogar über einen batteriebetriebenen Leuchtaufsatz. Es gibt etwa 50 verschiedene Modelle, bis hin zum eigenwilligen 70er Jahre Design in "Knallorange".

Die View-Master Corp. kaufte den Konkurrenten Tru-Vue und erwarb hiermit auch die Rechte an Walt-Disney-Bildlizenzen. Dies ließ den View-Master ab 1951 den endgültigen Siegeszug antreten1. Viele der Bildscheiben, welche für die View-Master-Corp. entstanden, wurden eigens in einem Studio für Stereo-Fotografie hergestellt. Hier wurden die Geschichten sogar Bild für Bild in Miniatur-Bühnen nachgebaut. Fotografen besuchten aber auch Tv- und Film-Sets um im Auftrag von View-Master Aufnahmen zu machen. Der einzige Konkurrent "Tru-Vue" verlor durch Einbußen im zweiten Weltkrieg den Anschluss...

 

"Tru-Vue" -Stereobetrachter für Stereo-Bildkarten. Auch hier finden sich Farb-Dias, allerdings nebeneinander aufgestellt, Transport-Perforation seitlich. Der Betrachter aus den frühen 50er Jahren scheint eine (verspätete) Reaktion auf den View-Master zu sein, doch Tru-Vue hatte seine Markposition bereits verloren und teilte den zweiten Platz nun mit anderen Nachahmern:

 

"Pixie"-Betrachter und "Stori-View"-Karten (USA ca. 1950). Stereobetrachter aus Pappe mit integrierter Optik, mit einer Serie von jeweils 6 Stereokarten, die in einen Schlitz (siehe "Insert Slide Here") geschoben werden. Es ist ein Kompakt-Betrachter, d.h. die Karten liegen bei und der orangefarbene Deckel ist Verpackung zugleich.

 

 

Doch auch in Europa war man nicht untätig. Nach den seit den späten 20er Jahre völlig in Unvergessenheit geratenen Holmes- und Brewster-Betrachtern, war der Weg frei für neue Lizenzen mit alten Techniken:

 

"Vistascreen"-Betrachter aus England, ca Anfang 60er Jahre. Das Vistascreen ist tatsächlich eine kleine Taschen-Variante des sog. Holmes-Stereo-Betrachters des späten 19. Jahrhunderts. Das Logo der Firma wurde sehr schön in das Design des Betrachters integriert. Weitere Besonderheit: der Betrachter ist faltbar und lediglich so groß wie eine Zigarettenschachtel und daher aus der Tradition der Taschenbetrachter. Aus Plastik (auch die Linsen sind aus Kunststoff) mit simpler Klapptechnik sicher einer der preiswertesten Betrachter..

"Vistascreen"-Stereobildkarten sind nur etwa ein drittel so groß wie die klassischen Bildkarten álá Keystone oder Underwood, zeichnen sich aber durch eine klare Schärfe aus.

 

"Stereocarte" und "Stereoclic" -Betrachter von Bruguiére Stereofilms, Paris ca. 1960. Die für den französischen Betrachter genormte Bildkarte mit 8 Stereopaaren (hier: "Paris bei Nacht") weist eine enorme Ähnlichkeit mit seinen Vorreitern "Tru-Vue" (s.o.) und dem englischen "Lestrade"-Modell auf. Hier befindet sich die Transport-Perforation in der Mitte der Karte.

 

 

"Stereomat"-Betrachter und Bildkarten aus der DDR, hergestellt Ende der 60er Jahre. Themen der Bildkarten waren meist Märchen in nachgestellten Miniatur-Bühnen (Produktion der DEFA-Studios). Spielwaren Kamenz, DDR. Karten werden gesteckt, ähnlich dem Tru-Vue Betrachter der zweiten Generation.

 

"Meopta" Stereo-Bildscheiben (Tschechoslowakei, ca. 1970) für den Meopta-Stereobetrachter, der Ost-Variante des westlichen View-Masters.

 

"Technofilm Milano" Stereobetrachter (View-Master-Nachahmung) in Original-Verpackung als "Stereorama" angepriesen, hergestellt in Italien ca. 60er Jahre. Kompatibel mit Bildscheiben von View-Master oder Meopta.

 

"Stereopocket"-Betrachter. Für Einlege-Kassetten mit Stereofotos auf Diafilm. Dieser wird durch einen Hebel weitertransportiert. Die Kassette kann mit einem Hebel zurückgespult werden und ist austauschbar Hergestellt Mitte der 70er Jahre von 3-diland in Italien. Ähnelt in seiner Technik dem ersten Tru-Vue-Betrachter...

 

"Orbitor" 3-D Betrachter (mit einliegender Dia-Kasette). Eine Kasette enthält 21 Stereobilder auf Diafilm. Der Dia-Film wird durch einen Hebel (rechts) von Bild zu Bild transportiert. Auch dieser französische Betrachter ist wie sein italienisches Pendant Stereopocket (s.o.) eine Variation des 30er Jahre Tru-Vue-Betrachters. Hergestellt Anfang 80er Jahre in Frankreich. 

 

Die Spuren klassischer Stereografie finden sich heute nur noch in Form solch kleiner touristischer Mitbringsel. Die plastische Klappkarte mit integrierter Optik und reproduzierten Nostalgie-Fotos aus der Jahrhundertwende funktionieren aber nach wie vor...

Abschließend: Der klassische Stereo-Betrachter mit Optik ist in seinen Variationen und Modifikationen bis heute das beste Hilfsmittel stereoskopische Fotografien zu betrachten. Nüchtern betrachtet bringen Fotografien letztendlich den überzeugendsten Effekt. Nicht ohne Grund nennt man sie auch "Stills". Während das bewegte (Kino-) Bild einfach zu schnell wechselt, kann man in die eingefrorenen Bilder der Stereoskopie in Ruhe hineinschauen.

 

ANAGLYPHEN 3-D

Die Anaglyph-Technik (anaglyph = erhaben) wurde von Wilhelm Rollmann schon 1853 entwickelt1. Die Anaglyph-Technik  erlaubt es, die für den räumlichen Eindruck benötigten Stereo-Bilder überlagernd darzustellen. Bisher waren die stereoskopischen Doppel-Bilder nebeneinander dargestellt worden (siehe alle klassischen Betrachter oben). Neben der neuen Platzersparnis (!) war wohl die preiswerte Herstellung der papiernen Anaglyph-Brillen gegenüber dem verdickten Brillenglas gängiger Stereo-Betrachter finanziell überzeugend. Populär wurde die Anaglyph-Technik auch durch ihren Einsatz als "druckbares" 3-D. Gerade für das beliebte Heftformat war die beigelegte Brille mit preiswerten Farbfolien erschwinglicher.

In der Anaglyph-Technik wird beiden Einzelbildern (linkes und rechtes Bild) eine bestimmte Farbe zugeordnet. Diese Kanaltrennung ist wichtig, damit das Gehirn zwei Halbbilder wahrnimmt. Das rote Bild ist hierbei das linke Foto, das grüne das Rechte. In gedruckter Form bedeutet dies ein überlagertes Doppelbild mit irritierenden Farbversatz. Durch die entsprechenden Filter einer Anaglyph-Brille erreichen somit zwei (farblich) getrennte Sinneseindrücke unser Gehirn. Dieses verschmilzt beide perspektivischen Einzelbilder zu einem Gesamteindruck.

FORD-Reklameblatt: Dieses Werbeblatt der Firma Ford aus dem Jahre 1933 wurde an Kunden ausgegeben, um sich “mit den Augen des Ingenieurs” den neuen "V-8" anzusehen. Der Betrachter, der “Ford-A-Scope”, wurde in der kleinen Papiertasche links aufbewahrt.

 

"Berlin vor dem Kriege" Raumbilder (Fotos), gedruckt 1947 von Dreyer & Co. (Berlin) in Anaglyphentechnik. Die Bezeichnung “Raumbilder” verweist auf den vor dem 2. Weltkrieg sehr erfolgreichen Raumbild-Verlag. Interessant sind die Hinweise auf der Brille: “Mit beiden Augen gleichzeitig sehen” und “Nach einer halben (!) Minute erscheint das Bild plastisch”.

 

Das Anaglyph-Verfahren (auch mit den Variationen Rot-Cyan und Magenta-Grün und später ColorCode) erlebte ihren verstärkten Einsatz bei der Wiederentdeckung des 3-D-Films für das Fernsehen. In den späten 70er und frühen 80er Jahren erlebte die 3-D-Welle der 50er Jahre eine anaglyphe Wiederbelebung im TV.

 

3-D FILME

Erste Blüte Mitte der 50er Jahre: Damals begann die Hysterie um die 3-D Filme mit der Aufführung des Hollywood-Films "Bwana Devil" von 1952. Die Technik eroberte das Kino über Nacht und plötzlich fühlte sich jedes Studio in Hollywood berufen, 3-D Filme zuproduzieren. Aus gutem Grund. Mittlerweile stand in jedem zweiten Haushalt (Amerika) ein Fernsehgerät! Die Filmgesellschaften vermissten ihr Publikum, die Kinos blieben zunehmend leer und man suchte dringend nach neuen Techniken und Gimmicks. Noch größere Leinwänden und verbesserte Soundsysteme schafften aber nicht, was "der neue stereoskopische Film" vermochte. Tatsächlich trieb diese Blüte die Wahrnehmung der Stereoskopie als neue (alte) Sensation voran. Während man in die Kinos rannte, um einen "plastischen Film" zu sehen, wurde 3-D erstmals seit der Jahrhundertwende wieder als Massenmedium wahrgenommen.

Das 3-D-Kinosystem der 50er Jahre ist das "Polarisations-Verfahren": Die zwei benötigten Halbbilder werden dabei mit unterschiedlich polarisierten Licht projiziert und vermitteln dem Gehirn durch diese Kanaltrennung zwei Einzelbilder. Das gleichzeitige Sehen zweier Perspektiven, übereinander projiziert, ergibt ohne die polarisierte Betrachtungs-Brille einen verschwommenen Eindruck. Zwei optische Achsen (um 90° versetzt) die gleich einem feinen Linienraster beide Bilder für unser Hirn trennen (selektieren), vereint sich im Gehirn zum plastischen Eindruck (Vorteil zum Anaglyphen-Film: Wir erleben den Film in realen Farben und nicht um Rot-Grün-Spektrum. Nachteil: In Kinos werden immer zwei Projektoren benötigt. Und, der Kopf muss während der Projektion gerade gehalten werden).

Das Publikum war zunächst begeistert und Studios wie Warner prophezeiten "Wir lassen die Leinwand lebendig werden" und "...der Film wird fassbar" oder "...die Dinge fallen Ihnen in den Schoß". Ein Klassiker aus dieser Zeit ist beispielsweise der Film “Schrecken vom Amazonas” (Creature From The Black Lagoon, USA 1954), der bis heute in Amerika regelmäßige Wiederaufführungen erlebt, selbstverständlich in 3-D! Das besondere an diesem Film sind sicherlich die ersten 3-D Aufnahmen, die unter Wasser entstanden. Manche 3-D-Filme gab es später immer mal wieder auf Super-8 für das "Heimkino":

Ein SUPER-8 Film für den heimischen Projektor: Bevor es Video oder die DVD gab, konnten Filmfans ihre Filme für 45-75 DM (!) nur in einer gekürzten Version auf einer SUPER-8 Filmrolle im abgedunkelten Zimmer sehen. Bei "Creature From The Black Lagoon - Now In 3-D"  war auch eine Rot-Grün Brille beigelegt. Für  konnte man die spannendsten Szenen seines Lieblingsfilms auch zu Hause betrachten. Die Filmrollen bestehen aus tausenden Einzelfotos und sind sehr kratzempfindlich.

 

Die erste Blüte der 3-D Filme hielt nicht lange an. Obwohl sogar Altmeister Hitchcock mitmachte ("Bei Anruf Mord" gilt als einer der technisch besten 3-D-Filme) und recht üppig produziert wurde, verebbte das Interesse schon 1955. Nur große Kinos in den Städten leisteten sich die Umrüstung auf 3-D, da dies zwei Projektoren und den Einbau einer Silberleinwand verlangte. Kleine Kinos zeigten Filme also nur in der einfachen Anaglyphen-Technik, welche zwar nur einen Projektor benötigte, dafür aber die irritierende Rot-Grün-Brille einsetzte, welche nach einiger Zeit Kopfschmerzen bereitete.

Das 3-D-Kino blieb zudem "Sensationskino" und so verblasste die Technik zunächst im Klamaukfilm und (etwas langfristiger) in Erotik-Filmen. Ernsthafte Filme-Macher wandten sich bald ab. Die wenigen 3-D Filmproduktionen zwischen den 50er und 80er Jahren lassen sich an einer Hand abzählen und ihre Titel verraten an welches Publikum sie sich richteten: "Rottweiler" "Flesh For Frankenstein" oder "Love in 3-D"...

Filmplakat: "The Four Dimensions Of Greta", belgisches Plakat von 1973 für den flämisch-französischsprachigen Raum. In “Fabulous 3-D” wurde 1972 dieser Film von Pete Walker für das einschlägige Erotik-Kino gedreht. Deutscher Titel: “Rosemaries Liebesreport in drei Dimensionen”...

 

3-D EROTIK & PIN-UP

Die 50er Jahre sind ebenso die Blüte der Pin-Up-Fotografie (Pin-Up= aufhängen). Gemeint ist die Fotografie junger Damen in aufreizender Haltung. Heute erscheint die damalige Inszenierung der Akt-Modelle recht unschuldig, damals aber versprach dieses spezielle Segment eine Menge Geld. So brachen Profis und solche die es sein wollten auf, ihren reizenden Modellen nun auch in 3-D mehr Tiefe zu verleihen.

in der Raumbild-Fotografie hält sich das Thema "3-D und Akt" aus naheliegenden Gründen aber und bereits in der der Jahrhundertwende...

 

"Martin´s Kunstmappe" eine erfolgreiche Reihe deutscher Aktfotografie. Fotografien aus den 40er Jahren.

3-D Hefte im Kleinformat, vermutlich Ende 40er Jahre. Herausgegeben vom englischen Künstler "Roye". Der gelernte Militär-Fotograf Horace Roye verdingte sich nach dem zweiten Weltkrieg als stereografischer Akt-Fotograf. Der Verkaufsschlager dieser Reihe war sicherlich "Diana Dors in 3-D". Hefte streckenweise mit Anaglyph-Fotos und einer eingesteckten "Roye-Vala-Scope"-Brille. Wie für diese Heftchen typisch verblasste vor allem das grüne Halbbild mit der Zeit. Gedruckt auf billigem Nachkriegspapier.

 

Stereoskopischer Automat zum Betrachten von Stereo-Dias, hergestellt 1961. Dieser Automat der Firma Lemmerz aus Königswinter mit der Seriennummer 889 ist ein “Automatique Amusement”, wie sie für den Jahrmarkt vor allem zur Jahrhundertwende hergestellt wurden und mit der Zeit wieder völlig verschwanden. Spätere Versionen wie dieser Automat “Paris - Paradies schöner Frauen” fanden sich auf der Kirmes und in Freilicht-Parks. Für 10 Pfennige (umgebaut auf 5 cent) kann man hier harmloseste 3-D Aufnahmen von Bade-Schönheiten der 60er Jahre bewundern. In seiner Unschuld versprüht dieser Automat viel Charme. Unten: Rückseitiger Einblick (in 3-D). Wie hier zu sehen, wird jedes Stereopaar in einem Rondell kreisförmig zur Optik transportiert. Die Glühbirne befindet sich genau hinter den Dias. 12 Paare insgesamt. 

Betrachtung mit Anaglyph-Brille! Die Stereodias können ausgetauscht werden:

Stereo-Slides mit Pin-up-Motiven wie diesem gab es in den 50er unzählige unter dem Ladentisch oder per Postfach für Cent-Beträge. Heute erreicht ein solches Bildpaar bei einer Auktion schon die 10 Euro-Marke.

Bis heute weiß jedes Männermagazin in regelmäßigen Intervallen  eine "Spezial 3-D Ausgabe" zu inszenieren. Aber auch Sammelausgaben wie "Marilyn Monroe in 3-D" erfreuen sich neuer Auflagen.

 

 

PRIVATE STEREOGRAFIE

Jeder Hobby-Fotograf, der etwas auf sich hielt, verfügte in den 50er Jahren auch über eine Stereokamera, die damals für Jedermann erhältlich war. Die 3-D-Begeisterung des Kinos hatte die private Stereografie enorm gefördert.

Grundlage zur stereografischen Fotografie war eine Erfindung des schottischen Physikers David Brewster, welcher um 1850 die erste Kamera mit "Doppelobjektiv" erfand1. Hiermit konnte man zwei Aufnahmen zugleich machen, wortwörtlich eine "Stereografie". Es war bis dahin nur möglich gewesen Aufnahmen - um den Augenabstand versetzt - hintereinander zu machen. Nie konnten bisher etwa Bewegungen festgehalten werden, da zwischen den Aufnahmen Zeit verstrich. Die Stereokamera änderte dies.

Ab etwa 1955 waren Stereokameras serienmäßig auch für den Hobby-Fotografen bezahlbar. Reklame-Anzeigen warben im Zuge der neuen Popularität für den Gebrauch der Technik für private Zwecke. Gerade in dieser Zeit entstanden viele private Stereo-Fotos, welche die Sonntagausflüge und Urlaube der Familie festhielten...

Eine handelsübliche Stereokamera aus der Mitte der 50er Jahre: die Kodak Stereo Camera für den Privatgebrauch. Aufgenommen wird auf Diafilm im Format 24x23 mm. Es können bei einem 135er Rollfilm (Standard heute 36 Fotos) etwa 25 Stereofotos gemacht werden. Die Kamera ist rein manuell zu bedienen und verfügt als Besonderheit über eine Miniatur-Wasserwaage zwischen den Objektiven. Nach der Entwicklung werden die Dias in Stereo-Diarähmchen eingefasst:

 

Stereo-Dias: Diese Stereofotos im Dia-Format sind private Aufnahmen. Die Dias sind sie durch zwei dünne Glasscheiben geschützt. Private Stereoaufnahmen mit Aufschriften wie etwa “Niagara Falls” und “Clarkes Gardens” (1963) zeigen die Hauptnutzung der 3-D Fotografie als privates Dokumentationsmedium bei Reisen und Urlaub. In genormten Betrachtern können sie in plastisch gesehen werden:

 

"Arcadia"-Betrachter (USA 1955) mit Beleuchtung im Gehäuse. Der batteriebetriebene Betrachter für "Stereoslides"  ist zudem fokussierbar.

 

Ein stabileres Exemplar ist dieser Stereobetrachter von Kodak, der "Kodak Slide Viewer" von 1955. Er verfügt ebenfalls über einen Beleuchtungsapparat im Gehäuse. Wenn man seine Stereofotos allerdings einem größerem Publikum zeigen möchte, geht kein Weg vorbei an der...

 

HEIMPROJEKTION IN 3-D

Stereodias werden nebeneinander in Dia-Rahmen eingefasst und können mit den dafür genormten Heim-Projektoren betrachtet werden. Der "Stereo-Projektor" für den Hausgebrauch, steht den größer dimensionierten Kinoprojektoren in Punkto Technik in nichts nach. Die hierbei angewandte Polarisationstechnik hat gegenüber der Anaglyph-Technik (Rot-Grün-Überlagerung) den Vorteil, weniger Irritation hervorzurufen, da diese Technik erlaubt, in Real-Farben zu projizieren. Da nach wie vor dem Gehirn zwei Bilder vermittelt werden müssen, werden beide Stereohalbbilder mit unterschiedlich polarisiertem Licht deckungsgleich auf eine Leinwand projiziert. Durch entsprechend polarisierte Brillen wird jedem Auge nur das ihm zugedachte Bild vermittelt. Für die private Vorführung selbstgemachter Stereografien ein ideales Medium.

Die "Belplascus V", ein Stereo-Projektor aus der Mitte der 50er Jahre für gängige Stereodias. Projizierte Bildgröße bis zu 1 Meter (diagonal). Hier mit einer Zeiss-Pol-Brille "V-Stellung". Projiziert wird auf eine Silberleinwand oder Aluminiumplatte.

 

3-D Zeitschriften, Magazine, Bücher...

Zeitschriften, Sonderausgaben und vor allem Kinderbücher kehren ungeachtet irgendwelcher Trends im Kino immer mal wieder zum Verkaufschlager "3-D" zurück.

"Bild-Zeitung in 3-D" Über die Jahrzehnte hat keine der größeren Verlage eine "3-D Spezialausgabe" ausgelassen.

Passend zur 3-D Renaissance in den 80er Jahren beschäftigen sich viele Bücher und Zeitschriften mit dem Phänomen. Wichtig auch hier: Im Buch befinden sich (meist anaglyphe) Bildbeispiele und deshalb gilt immer: "Free 3-D Glasses inside!"

 

3-D-Comics 

...in Anaglyphen-Technik: Bereits vor dem Kino-Durchbruch war der 3-D Effekt im Comic-Sektor bekannt und beliebt. Tatsächlich werden bis heute erfolgreich 3-D-Comics Monat für Monat auf den Markt gebracht. In Deutschland leider selten. Hier verschiedene Exemplare aus 3 Jahrzehnten. 

Am interessantesten dürfte das Batman-Sonderheft “3-D Batman” von 1966 mit Brille sein: “Adventures In Amazing 3-D”.

 

3-D VIDEOSPIEL

"Tomy 3-D" -Videospiel, hergestellt 1983 in Japan, hat dieses Spiel im Inneren eine LCD-Anzeige, die ähnlich wie Stereo-Fotos zwei nebeneinander stehende Grafiken zeigt, welche durch den Kreuzblick vereint werden - quasi ein elektronischer Holmes-Betrachter! Tomy produzierte viele 3D Spiele. Seit Ende der 70er Jahre hielten Videospiele Einzug in die Kinderzimmer und als das Kino Anfang der 80er Jahre den 3-D-Film wiederentdeckte, war dieses batteriebetriebene Gerät ganz im Trend.

 

 

3-D GESTERN, HEUTE ...UND MORGEN?

In den Anfängen der 80er Jahre kam nochmals eine Welle von Kinofilmen in 3-D: "Der Weiße Hai 3-D" (Jaws 3-D) war beispielsweise ein überraschender Kassenschlager und löste eine Welle von etwa 10 neuen 3-D-Filmen und Wiederaufführungen alter Klassiker aus. 3-D lockte nach 30 Jahren Abstinenz wieder einmal ins Kino, doch warum? Neben einer nostalgischen 50er-Jahre-Renaissance war abermals eine technische Neuerung im Home-Entertainment Grund zur Reaktion: Der "Videorecorder" hatte inzwischen auch die untere Mittelschicht erreicht und die Kinos wurden abermals leerer. Das Kino brauchte wieder eine Sensation...

 

"Jaws 3-D": Sammelbilder im Kaugummipäckchen, amerikanische Sammelkarten zum Start des 3-D Films “Der Weiße Hai 3-D” von 1983. Ein kleiner anaglypher Betrachter ist jeder Packung beigelegt! Die Karte ist doppelseitig bedruckt: Einmal mit Bildern aus dem Film, umseitig sogar mit 3-D Comic-Zeichnungen.

 

Auch die zweite Blüte des 3-D-Films hielt nicht lange an. Die Aufrüstung der Technik war für viele Kino-Betreiber wieder einmal Argument die Preise hochzutreiben und allzu hastig produzierte 3-D-Filme ließen das "Know-How" vermissen.

TV: Bis ins neue Jahrtausend hat sich auch das Fernsehen sporadisch mit der Dreidimensionalität auseinandergesetzt. Für bestimmte Themenabende (meist Tierfilme und Dokumentationen über exotische Reiseziele) lagen den Fernsehzeitschriften dann auch Anaglyph-Brillen bei. Aber immer wieder wurde es still um das 3-D-Kinoerlebnis. Außer in IMAX-Theatern, die eigens für den dreidimensionalen Film gebaut wurden - jedoch recht kostspielig und selten blieben - war in den letzten beinahe 25 Jahren nicht viel "tiefes" zu sehen. 

Eine kurze Begeisterung für das computergenerierte "Magische Auge" sorgte in den 90er Jahren für eine Buchserie, erwies sich aber anhand abstrakter Motive und der komplizierten Handhabung eher als Flohmarktartikel. Den im sogenannten "SIS"-Verfahren (single image stereogram) hergestellten Bilder fehlte der Reiz des Echten.

Seit einiger Zeit aber verzeichnet man wieder einen "3-D-Boom" in der Filmbranche. Die Rot-Grün-Brillen wurden hierbei endgültig von der "Polarisationsbrille" abgelöst. "Real 3D" vermag zu überzeugen. Doch nach wie vor macht die Filmwelt den gleichen  Fehler: Die Bilder sind zu schnell, sind zu nah. 3-D strengt an...

Trotz des aktuellen Erfolgs neuer 3-D Produktionen sagten jüngst 75% der befragten Zuschauer, dass sie dies nicht ständig brauchten, schon gar nicht als Standard im Fernsehen. Immer noch wird das Tragen einer Brille als störend empfunden und so hält sich hartnäckig das Gerücht, die Industrie arbeite an einem System ohne Betrachter...3-D ohne Optik? Die Rede kann nur vom Hologramm sein...

 

 

 

 

 

 

 

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Quelle: 1 Wikipedia  und:

                    2 zitiert nach: Horrace Roye: Nude Ego, Berlin 1961

 

 


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